Case Study — Profisport

Arminia: Markenpositionierung für einen Profisportverein

Freigegeben ist nicht eingeführt.

Ein Fußballverein hat vier Erlösquellen. Genau eine davon lässt sich über die Marke beeinflussen. Aus dieser Rechnung leitete Lünstroth den Markenkern „Bewegung“ ab und übersetzte ihn in Logo, Schrift und Bewegtbild. Freigegeben von Geschäftsführung, Präsident und Aufsichtsrat. Das Logo ist seit 2008 unverändert im Einsatz. Die Hausschrift hielt ein Jahr.

Markenpositionierung Arminia Bielefeld — Schriftzug in der eigens entwickelten Hausschrift Arminia

Auftraggeber

DSC Arminia Bielefeld

Branche

Profisport

Leistungen

Positionierung, Markenstrategie, Corporate Identity

Schwerpunkt

Management & Kultur

Die Ausgangssituation

Ein Profiverein finanziert sich aus vier Quellen: Medienerlöse, Ticketing, Merchandising und Sponsoring. Die Medienerlöse folgen der Tabellenposition über mehrere Jahre und sind durch Markenarbeit nicht beeinflussbar. Das Ticketing hängt überwiegend an der sportlichen Stärke und am Gegner. Der einzige Hebel, der über die Marke läuft, ist das Sponsoring: Je wertvoller der Imagetransfer für einen Partner ist, desto höher fallen die Verträge aus. Genau dort lag das Problem. Das Vereinsimage war belastet — zurückliegende Vorwürfe waren bei Sponsoren noch präsent, die wirtschaftliche Lage ließ Zweifel an der Tragfähigkeit eines mehrjährigen Engagements zu, und der Ruf der Fahrstuhlmannschaft steht für alles außer Stabilität. Hinzu kam ein Zielkonflikt: Die Werte, die auf der Fanseite tatsächlich vorhanden waren — stur, leidenschaftlich, kämpferisch — sind für überregionale Sponsoren keine übertragbaren Imageeigenschaften. Die Frage lautete deshalb nicht, wie sich der Verein neu erfinden lässt, sondern welcher gemeinsame positive Markenkern zwischen bestehender Fanbindung und Sponsoreninteresse überhaupt existiert.

»Was sich nur durch eine eigene Entscheidung ändern lässt, überlebt. Was Disziplin verlangt, überlebt den nächsten Wechsel an der Spitze nicht.«

Leitbefund des Projekts

Das Vorgehen

Lünstroth begann nicht bei der Gestaltung, sondern bei der Erlöslogik: Welcher Hebel ist über die Marke erreichbar, und welcher nicht? Die Antwort verengte die Aufgabe auf das Sponsoring und damit auf die Frage des Imagetransfers. In den vorhandenen Fanwerten steckt ein Bestandteil, der auch für Sponsoren attraktiv ist: Dynamik. Daraus wurde gemeinsam mit den Entscheidungsebenen des Vereins der bestimmende Wert „Bewegung“ abgeleitet — getragen von der Vereinsgeschichte selbst, die über hundert Jahre aus Auf- und Abstiegen besteht, aus wiederholter Neuerfindung ohne Identitätsverlust, und die ihren Ort mitten in der Stadt hat statt am Rand. Die Übersetzung in die Corporate Identity folgte demselben Argument. Das Logo wurde aus dem extremen Querformat in ein Quadrat überführt, damit es in allen Kanälen gleichwertig einsetzbar ist; der Ortsname wurde in der Größe zurückgenommen, um die Marke für überregionale Partner anschlussfähig zu machen; die Bewegung kam über springende i-Punkte hinein. Eine eigene kursive Hausschrift sollte sicherstellen, dass jede Äußerung auf den ersten Blick als die des Vereins erkennbar ist. Dasselbe Element wurde in das Bewegtbild übernommen.

Das Bewegungselement: zwei quadratische i-Punkte im Arminia-Blau, abgeleitet aus dem Markenkern Bewegung
Das Ergebnis

Die Positionierung wurde freigegeben — von der Geschäftsführung, dem Präsidenten und dem Aufsichtsrat. Kurz darauf stieg der Verein ab und der Geschäftsführer wurde gekündigt. Was folgte, war keine Gegenentscheidung, sondern ein Verschwinden: Wechselnde Agenturen, teils aus dem Fanumfeld und ohne Honorar arbeitend, brachten eigene Schriften und eigene Fanslogans ein. Das Regelwerk lag vor, die Gremien hatten zugestimmt — nur war es niemandes Aufgabe, es durchzusetzen. Übrig geblieben ist, was sich nicht beiläufig ändern lässt: Das Logo ist seit 2008 unverändert im Einsatz. Die Hausschrift war 2009 wieder verschwunden. Beide stammen aus derselben Positionierung und stehen im selben Handbuch. Der Unterschied ist nicht die Qualität, sondern die Hürde, die einer Änderung im Weg steht. Eine Markenentscheidung ist nicht mit ihrer Freigabe verankert, sondern erst mit der Instanz, die sie durchsetzt.

Diese Schrift ist die Arminia. Sie wurde spezifisch für die Positionierung „Bewegung“ exklusiv für Arminia Bielefeld entwickelt und sollte die Durchsetzung der Positionierung über alle Kommunikationsmaßnahmen sichern.

Gesetzt in der Arminia — der eigens entwickelten Hausschrift

Das Regelwerk
Markenhandbuch Arminia Bielefeld, Seite Farbklima — Regelung des farblichen Gesamteindrucks
Farbklima: geregelt wird der angestrebte Gesamteindruck, getrennt nach werblicher und redaktioneller Kommunikation — nicht nur der Farbwert.
Markenhandbuch Arminia Bielefeld, Seite Typographie — Spezifikation der Hausschrift Arminia
Typografie: die Arminia als spezifizierter Bestand, mit Zeilenabstand und Einsatzbereich. Daneben Neue Helvetica für den Fließtext.
Markenhandbuch Arminia Bielefeld, Seite Corporate-Design-Elemente — Anwendungsregel für die i-Blöcke
Corporate-Design-Elemente: die i-Blöcke mit einer Regel, die eine Zahl nennt — maximal zwei- bis dreimal auf einer visuellen Fläche.

Fünf Seiten aus dem Markenhandbuch von 2008, hier drei davon. Es ist ein Ringbuch mit Griffregister — gebaut für das tägliche Nachschlagen, nicht für die Präsentation. Das Regelwerk war vollständig und durchsetzbar. Es fehlte die Instanz, die es durchsetzt.

Das Bewegungselement im Bewegtbild: Die i-Punkte formieren sich zum Schriftzug. Vorlage für die Stadionvideos. — Standbild, zum Abspielen mit Ton klicken

Das Bewegungselement im Bewegtbild: Die i-Punkte formieren sich zum Schriftzug. Vorlage für die Stadionvideos.

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